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Leena Hokka

 

Renaissance der Bibernell-Rosen

 

Gartenpraxis 9/2004

 
   
 Sie bilden Ausläufer und blühen in der Regel nur einmal. Deshalb verschwanden die Bibernell-Rosen weitgehend aus den Gärten. Doch nun hat man erkannt, dass die gute Winterhärte und Gesundheit nicht zu verachten sind. Das beschert diesen Rosen eine Renaissance zunächst in Nordeuropa.  
   
 Die Gartensorten der Bibernell-Rose sind in deutschen Gärten kaum mehr zu sehen. Dabei eröffnen sie die Rosensaison oft bereits im Mai mit einer duftenden Blütenfülle, geben sich mit fast jedem Boden und Standort zufrieden und verlangen kaum Pflege. Die kurze Blütezeit war es, die sie Mitte des 19. Jahrhunderts aus den Gärten verdrängte, und bis heute hat sie die ihr angemessene Stellung nicht zurückbekommen, obwohl die herbstliche Laubfärbung und der Fruchtbehang für das Fehlen einer zweiten Blüte entschädigen und das zierliche Blattwerk das ganze Gartenjahr über ohne Chemie seinen Zierwert behält. Dank der ausgesprochen guten Winterhärte erleben die alten Sorten heute eine Renaissance in Skandinavien.  
 
 Leena Hokka: 'Linnanmäki'
   
 Die wilde Bibernell- oder Dünen-Rose (Rosa spinosissima, syn. R. pimpinellifolia) hat eine sehr weite Verbreitung von Westeuropa bis hin zum Altai-Gebirge in Asien. Durch unterirdische Ausläufer oft dichte Kolonien bildend, siedelt sie in den Nordseedünen, an der Küste Englands, auf Kalkböden in Gebirgen und in den asiatischen Steppen. Die kleinen sieben- bis elfzähligen Fiederblätter machen einen filigranen Eindruck. Die Triebe sind dicht mit geraden Stacheln und Stachelborsten besetzt. Die Höhe variiert von 25 cm bis 2,5 m je nach Nährstoffgehalt des Standorts, aber auch genetisch sollen die westlichen Bestände niedriger sein als die östlichen. Die Blüten sind in der Regel weiß mit einem Hauch von Creme.  
   
 Wahrscheinlich hat man die Bibernell-Rose bereits im 16. Jahrhundert in Klostergärten kultiviert, aber erst Ende des 18. Jahrhunderts begann eine umfangreiche Züchtung immer neuer Farbschattierungen und Formen. Die Züchtung nahm ihren Anfang in Schottland, wo zuerst die Gebrüder Brown das Potenzial der außergewöhnlichen Naturformen für Auslesen und Kreuzungen nutzten. Bald entwickelten auch Austin in Glasgow, Malcoln in Kensington und Lee in Hammersmith neue Sorten. In Frankreich züchtete Vibert diese Rosen weiter, und nach dem Ende der Bibernell-Rosen-Manie im übrigen Europa, um die Mitte des 19. Jahrhunderts, machte der aus Deutschland stammende Karl-August Freundlich noch viele Bibernell-Rosen-Aussaaten als Hofgärtner des russischen Zaren in Tsarskoje Selo.  
 
 Leena Hokka: 'Ruskela'
 Die rosa Blütenfarben der Bibernell-Rosen-Sorten können von Kreuzungen mit Rosa canina, R. pendulina und R. villosa stammen. Die gelbblühenden Sorten werden im Allgemeinen unter Rosa x harisonii geführt. Es handelt sich um Kreuzungen mit Rosa foetida, obwohl auch Kreuzungen mit anderen Partnern wie mit R. hemisphaerica oft nicht ausgeschlossen sind. Diese gelbblühenden Sorten rechnet man oft zu der Foetida-Gruppe, sie werden dennoch in diesem Beitrag mit berücksichtigt. Darüber hinaus sind auch einige rosablühende Sorten als Kreuzungen zwischen Bibernell-Rosen-Sorten und Rosa foetida zu klassifizieren.  
 
 Leena Hokka: 'Ensi'
 Wie viele der einst mehreren hundert Sorten es heute noch gibt, ist schwer einzuschätzen, da vermutlich noch viele unbeachtet in alten Gärten wachsen. Andererseits ist es möglich, dass einige der in verschiedenen Ländern käuflichen Sorten trotz unterschiedlicher Namen identisch sind. Die wahre Identität einer Sorte lässt sich nur dann beurteilen, wenn Herkünfte aus verschiedenen Ländern in einem Rosengarten nebeneinander stehen. In der Praxis hat es sich als sehr mühsam erwiesen, europaweit viele alte Sorten zu sammeln, weil sie schwer erhältlich sind und sich leider nicht alle Rosen-Baumschulen darum bemühen, dass der Empfänger auch tatsächlich die erwünschte Sorte bekommt.  
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