Erich Unmuth

 
Vortrag in Krupina, Geschwind Symposium (2009)  

Probleme bei der Identifikation der Rosen von Rudolf Geschwind 1

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Probleme bei der Identifikation der Rosen von Rudolf Geschwind 5 Artikel
   

Ich befasse mich seit mehr als 25 Jahren mit den Rosen von Rudolf Geschwind, zuerst angeregt durch die im Rosarium in Baden stehenden Sorten. Mein Interesse erregten diese Rosen, weil sie bereits bei oberflächlicher Betrachtung einen aussergewöhnlichen Charakter zeigen.

 
   

01 'Futtacker Schlingrose', Baden, Österreich

Auf diesem Bild ist das Aussergewöhnliche der Züchtungen von Rudolf Geschwind zu sehen, ausladend wachsende reichblühende Sträucher,

  Baden, Österreich
   

02 'Futtacker Schlingrose'

deren Einzelblüten mittelgross bis gross sind und teilweise starkduftend wie etwa bei der hier zu sehenden 'Futtacker Schlingrose'.

 

   

 

Mit den Problemen einer korrekten  Identifikation von historischen Rosen wird jeder konfrontiert, der sich mit ihnen näher beschäftigt.
Nicht immer ist es so einfach wie im Fall der Gruss an Teplitz.

03 'Gruß an Teplitz', Journal des Roses, Frankreich 1897

Hier haben wir eine zeitgenössische Lithografie von 1897 aus Journal des Roses.

 

 

 


   

Und hier eine Aufnahme aus dem Rosarium Baden.

04 'Gruß an Teplitz', Baden

 

   

Komplizeirter wird es, wenn nur Beschreibungen aus historischen Katalogen zur Verfügung stehen wie zum Beispiel zur Sorte 'Eugenie E.Marlitt'.
Die Rose im Bildmittelpunkt zeigt die 'Eugenie E.Marlitt'.

 

 

05 'Eugenie E Marlitt', Henderson 1908

Und hier die Beschreibung dazu, eine der besten neuen, dunkelroten Rosen.

06 'Eugenie E Marlitt', Henderson 1908

Anfang der 1990er Jahre habe ich aus den USA Nachricht von einem Rosenfreund erhalten, dass eine weitverbreitete Fundrose mit dem Namen 'Maggie’ vielleicht die verlorene Geschwindsorte 'Eugenie E.Marlitt' sei.

 

 

 

07 'Maggie', Kalifornien

Entsprechend den dortigen klimatischen Bedingungen wächst 'Maggie' dort zu einem bis 2m hohen Strauch heran und gilt als Hitze- und Trockenheitstolerant.
Ich bekam dann einige Zeit später eine Pflanze und dieses zeigte sich bereits nach kurzer Zeit sehr blühfreudig und gesund.
Zu meiner Überraschung stellte sich eine verblüffende Ähnlichkeit mit der in einigen Sammlungen noch vorhandenen 'Julius Fabianics de Misefa' heraus.
Hier Aufnahmen aus dem Rosarium Gothenburg in Schweden

   

08 'Julius Fabianics de Misefa', Gothenburg, Schweden

   

09 'Julius Fabianics de Misefa', Gothenburg, Schweden

   

Und aus dem Rosarium Baden.

10 'Julius Fabianics de Misefa', Baden, Östereich

 

   

Wenn wir jetzt Marie Henriette Choteks Katalog aus dem Jahr 1926 hernehmen finden wir zur 'Julius Fabianics de Misefa' folgende Beschreibung.

11 Chotek 1926 'Julius Fabianics de Misefa'

 

 

 

Und ebendort zu 'Eugenie E.Marlitt' diesen Eintrag

12 Chotek 1926 'Eugen E.Marlitt'

Es scheint also wahrscheinlich, dass die in Europa unter dem Namen 'Julius Fabianics de Misefa' verbreitete Sorte tatsächlich 'Eugenie E.Marlitt' ist.

   

13 'Julius Fabianics de  Misefa', Baden, Österreich

 

Weitere Nachforschungen ergaben, dass die Badener und die Schwedische Sammlung die Reiser in den späten 1970er Jahren aus Sangerhausen erhielten. Im Rosenverzeichnis von 1974 sind dort beide Sorten noch vorhanden, in späteren Verzeichnissen fehlt die 'Eugenie E.Marlitt'.
Gemeinsam mit der ehemaligen Leiterin des Europarosariums Fr. Brumme habe ich dann in den letzten beiden Jahren das Sortiment der Geschwindrosen des Sangerhäuser Rosarium kritisch beobachtet. Und Fr. Brumme konnte schlussendlich im vorigen Jahr in einem der beiden mit der vermeintlichen 'Julius Fabianics de Misefa' bepflanzten Beete zwei Pflanzen entdecken, die sich deutlich von den übrigen unterscheiden. Sie haben schalenförmige, einzeln stehende kaum duftende Blüten.
Diese beiden Rosen wurden im vorigen Sommer veredelt und werden nun weiter beobachtet.

In diesem Zusammenhang möchte ich vehement darauf hinweisen, dass das Rosensortiment in den grossen Sammlungen vertauschte, nicht richtig identifizierte Sorten enthält. Diese sollten aber unter gar keinen Umständen entfernt werden, bei näherem Hinsehen könnten unter ihnen wertvolle, verloren geglaubte Sorten zu finden sein!

Im letzten Jahr konnte auch durch eine genetische Untersuchung der amerikanischen Fundrose 'Maggie' nachgewiesen werden, dass eine Bermuda – Rose mit dem Namen 'Pacific’ und eine in Indien verbreitete Rose mit dem Namen 'Kakinada Red’ identisch sind.
Wenn Sie so wollen, haben wir damit eine 2. Weltrose  von Geschwind – neben der 'Gruß an Teplitz' – vor uns.

 

 
   
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